Bonjour Wissembourg
Am 5. Sept. 2026 war es endlich wieder so weit: Pünktlich um 7:45 h starteten 39 erwartungsvolle Teilnehmerinnen zu der alljährlichen Bildungsfahrt des KDFB Zweigverein Abenheim, dem Highlight des Jahres. Ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Wie immer hatte das Orga -Team von Maria Kaltenthaler nicht nur ein gutes Händchen bei der Auswahl des Reiseziels bewiesen, sondern auch den Tagesablauf professionell und sehr interessant gestaltet.
Nach dem obligatorischen Stopp auf dem Parkplatz „Pfälzer Weinstraße“ für das opulente Frühstück, war es nur noch eine kurze Strecke bis zum Ziel, dem mittelalterlichen Städtchen Wissembourg im Elsass.
Dort wurden die Reisenden von 2 überaus kompetenten Stadtführinnen empfangen, die die Gruppen sogleich auf eine Reise durch mehr als 1.300 Jahre wechselvolle Geschichte von „Wissembourg la Couronne“ mitnahmen.
Um das Jahr 600 siedelnden sich Mönche aus Speyer in der Einöde des südlichen Zipfels des Bistums an und gründeten eine Abtei. Sie begannen mit dem Bau der Klosteranlage, der Abteikirche und einem Kreuzgang, der bis heute unvollendet ist. Die Kirche wurde den Aposteln St. Peter und Paul geweiht und gehört bis heute zu den bedeutendsten Bauwerken der kleinen Stadt.
Das aufstrebende Kloster verfügte bereits im 9. Jh. über eine Schule mit Skriptorium. Hier verfasste um 860 Otfrid von Weißenburg, das Evangelienbuch, das 1. Werk der frühen deutschen Literatur.
In der Abteikirche befand sich seit ca. 1070 ein etwa sechs Meter großer, mehrstöckiger mittelalterlicher Radleuchter aus vergoldetem und versilbertem Metall, weshalb Wissembourg den Beinamen Kronweissenburg erhielt. Der Legende nach wurde die goldene Krone 1793 während der Französischen Revolution in kleine Stücke zerhackt und das Edelmetall unter den Armen verteilt. Fast ein bisschen wie bei Robin Hood im Sherwood Forest.
Im Laufe der Zeit siedelnden sich unter dem Einfluss der prosperierenden Abtei immer mehr Händler, Gewerbetreibende und Handwerker an. Getrennt durch die Lauter entwickelte sich auf der anderen Seite des Flüsschens die Stadt zu einem bedeutenden Handelszentrum. Bereits im Jahr 1306 wurde sie zur Freien Reichsstadt erklärt und gehörte ab 1354 dem elsässischen Zehnstädtebund (Décapole) an.
Entlang der Lauter entstanden zahlreiche Fachwerkhäuser, die auch heute noch das Stadtbild prägen. Viele davon sind noch gut erhalten, wie beispielsweise das Salzhaus, das in seiner wechselvollen Vergangenheit mal als Krankenhaus, Salzhaus und als Schlachthaus genutzt wurde. Die engen Gassen, Kanäle und Fachwerkhäuser vermitteln noch heute das authentische Bild einer mittelalterlichen Stadt.
Könnten die Häuser aus der Vergangenheit erzählen, würden sie über Hans von Trotha / Hans Trapp berichten. Von Stanislas Leszczyński, dem König im Exil und seiner Tochter Maria Leszczyńska, von Martin Bucer und seiner Bedeutung für die Reformation. Und natürlich auch vom „Leutnant Tunichtgut“ Charles de Foucauld, der am 15. Mai 2022 von Papst Franziskus heiliggesprochen wurde. Zahlreiche Legenden haben ihren Ursprung in Wissembourg.
Der interessante Rundgang endete praktischerweise direkt am Restaurant A l‘ Homme Sauvage, wo bereits das vorbestellte Mittagessen wartete. Am Nachmittag blieb noch genug Zeit, um das pittoreske Städtchen auf eigene Faust zu erkunden.
Wissembourgs Stadtgeschichte ist, wie das gesamte Elsass auch, geprägt von einer langen und wechselvollen Vergangenheit. Eine Region mit deutschen und französischen Einflüssen, die in der heutigen Zeit mit der grenzüberschreitenden Verbundenheit ihre europäische Identität und Heimat gefunden hat.
Die Reisenden legten am Wein Tor in Schweigen noch einen kleinen Fotostopp ein, bevor sie endgültig glücklich und mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck die Heimreise nach Abenheim antraten.
Dort angekommen waren sich alle Teilnehmerinnen einig: 2027, wenn der Ruf: „Wohlauf in Gottes schöne Welt“ erschallt, sind wir wieder dabei!
Text: Anne Michel